Die Handball Sportunion Leoben kassierte gegen die Perchtoldsdorf Devils/JAGS eine bittere 29:33 Heimniederlage, die schonungslos offenlegte, wie tief der Traditionsverein aktuell in sportlicher und mentaler Schieflage steckt. Ohne den erneut verletzten Daniel Pinter lagen die Hausherren zwar zur Pause knapp voran, allerdings wurde ein schwacher Start in der zweiten Halbzeit danach gnadenlos abgestraft.

Auch Daniel Reiter konnte die nächste Niederlage am Ende nicht verhindern
Die Handball Sportunion Leoben musste gestern eine bittere 29:33 Heimniederlage gegen die Perchtoldsdorf Devils hinnehmen und es war eine, die weit mehr aussagt als das nackte Ergebnis. Von Beginn an fehlte es der Mannschaft an Emotion, Energie und Stimmung. Während die Devils geschlossen, lautstark und mit beeindruckender Präsenz auftraten, wirkte Leoben mental oft wie abwesend. Die Gäste zeigten eindrucksvoll, wie man ein Spiel trägt und wie man mit Leidenschaft auftritt – Leoben hingegen ließ vieles vermissen, was ein Heimteam normalerweise auszeichnet.
Defensiv präsentierten sich die Hausherren erneut erschreckend anfällig. Nur wenige Spieler waren bereit, sich in der Deckung voll reinzuwerfen. Diese mangelnde Konsequenz zog eklatante Fehler nach sich, die die Devils dankbar nutzten. Über 60 Minuten hinweg gelang es Leoben kaum, defensive Stabilität aufzubauen. Ein Zustand, der schonungslos analysiert und aufgearbeitet werden muss. Auch im Angriff setzte sich die Unsicherheit fort. Zu viele technische Fehler, unvorbereitete Abschlüsse und große Schwierigkeiten, in beide Halbzeiten zu finden, machten es nahezu unmöglich, Kontrolle über das Spiel zu gewinnen. Leoben nahm sich Würfe, die man in dieser Liga schlicht nicht nehmen darf. In guten Wurfchancen war es dann oft die Qualität des Wurfs, der im Publikum für Stille sorgte und den gegnerischen Torhüter zur Weltklasse emporsteigen ließ. Jeder Spieler muss sich vor dem Anpfiff stärker fokussieren, klarer in seinen Entscheidungen sein und mit mehr Überzeugung auftreten. Ohne klare Köpfe und saubere Aktionen bleibt jeder Angriff ein Husarenritt bei Leoben.
Bitter wurde es zusätzlich im Unterzahlspiel. Durch die Hereinnahme eines zusätzlichen Feldspielers, für den der Torwart auf der Bank Platz nimmt, öffnete man den Perchtoldsdorf Devils die Tür zu freien Würfen. Nur ein einziges Mal, kurz vor Schluss, konnte Paul Hinterreiter einen direkten Wurf zum leeren Tor erfolgreich blocken. Ansonsten war die Maßnahme mehr Risiko als Nutzen. "Den Torhüter vom Platz zu nehmen ist immer ein Risiko, aber bei unserer derzeitigen Angriffsleistung schon ein No-Go. Ich glaube die Devils haben heute, dank unserer Fehler, neun Mal in unser leeres Tor getroffen.", war Leoben-Pressesprecher Alfred Leithold nach der Partie fassungslos.
In der Schlussphase, als Leoben auf eine offensive Deckungsvariante umstellte und endlich aggressiver agierte, zeigte sich zumindest ein Aufbäumen. Plötzlich war Druck da, Leoben erzwang Fehler, brachte Unruhe ins Spiel der Devils und auch der eingewechselte Daniel Reiter im Tor glänzte mit einigen Paraden. Doch gerade in dieser Phase, als die Mannschaft spürbar Zugriff bekam, trieben mehrere strittige Pfiffe gegen die Gastgeber die Misere weiter voran. Anstatt das Momentum zu nutzen, wurde Leoben mehrmals ausgebremst, was die ohnehin schwierige Aufholjagd zusätzlich erschwerte. Dennoch war klar erkennbar, dass diese Deckungsformation deutlich besser funktionierte als alles, was zuvor versucht wurde.
Der härteste Schlag folgt allerdings beim Blick auf die Tabelle. Das Verpassen der Aufstiegsrunde ist schmerzhaft genug, doch nach der Punkteteilung verbleiben lediglich zwei Zähler Vorsprung auf den letzten Platz. Es führt kein Weg daran vorbei: Leoben steckt voll im Abstiegskampf. Und in diesem Kampf ist kein Platz für halbe Einsätze. Wer jetzt nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, sich in die Schlacht zu werfen und für das Team alles zu geben, ist fehl am Platz.
Kader und Tore: Lombes-Birkenheuer, Reiter, Bezovnik; Kovacech (8/3), Pucher (4), Schweiger (4), Hinterreiter (3), Mustafic (3), Edegger (2), Kvarits (2), Lechner (1), Scheer (1), Typolt (1), Moser, Stromberger
Best Player Award: Schweiger (Handball Sportunion Leoben), Ilov (Perchtoldsdorf Devils/JAGS)
Stimmen zum Spiel
Lukas Moser (Rückraum, Sportunion Leoben): "Mir fehlen echt die Worte. Wir machen viel zu viele technische Fehler, können keine Führung ausbauen und nehmen uns Würfe, die man in dieser Liga so nicht bringen darf. Auch Überzahlsituationen lassen wir ungenutzt. So kann man kein einziges Spiel gewinnen."
Bernhard Folta (Trainer,Perchtoldsdorf Devils): "Wir haben heute taktisch und kämpferisch alles umgesetzt. Wir wussten, es wird schwer und wir müssen dagegenhalten. Als wir dann auch noch in der Deckung unsere Leistung abgerufen haben und ins Umschaltspiel kamen, ist der Matchplan endgültig aufgegangen."
Für einen Lichtblick sorgte Samstagabend das heimische Future-Team, welches ihre Begegnung gegen die Devils mit 36:29 gewinnen konnte. Die jungen Leobner zeigten eine gute mannschaftliche Leistung, agierten im Angriff nervenstark und bewiesen bei den vielen gut herausgespielten Toren immer wieder die nötige Übersicht und richtigen Entscheidungen.
Kader und Tore: Bezovnik, Reiter; Scheer (8), Schüller (7), Holec M. (6), Dorner (4), Mayr (4/1), Draxler (3), Florijancic (3), Lausecker (1), Donossa, Holec H., Stromberger, Trafella, Wegscheider



















