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Handball Leoben

Unter dem Motto "In die Zukunft blicken, aber die Vergangenheit nicht vergessen" (Zitat Franz Rietner) berichten wir in den kommenden Wochen über Anekdoten und interessante, teils legendäre Geschichten unserer Vergangenheit. Wir sprechen mit Zeitzeugen, bringen spannende - teils in Vergessenheit geratene - Berichte und Interviews wieder ans Tageslicht. 

Teil 4 mit einer Rückschau auf die Südamerika Reise im Jahr 1996 mit den dazugehörigen Presseberichten sowie Zeitzeugen Hannes Turini.

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Ein schöneres Geschenk hätten sich die Handballer der Union Leoben im Jahr 1996 nicht machen können, nach dem erstmaligen Aufstieg in die Staatsliga B unter Trainer Hermann Hollerer überwinterte man am ausgezeichneten vierten Platz. Bestens "eingelebt" hat man sich in der Staatsliga, in der Sporthalle Leoben blieb man ungeschlagen. Mehr als 500 Besucher verfolgten im Schnitt die Spiele in der damaligen zweiten Liga.

Den Jahreswechsel verbrachten die Handballer mit ihrem Anhang in Südamerika. In der Heimat vom damaligen Sektionsleiter Roberto Pacnik gab es in Rio de Janeiro und Buenos Aires zwei Testspiele gegen heimische Clubs. Diese fanden auf Hartplatz, ähnlich einem Hard-Court Tennisplatz, statt - neben dem Erlebnis auf solchem Untergrund zu spielen zollte man den einheimischen Spielern sehr viel Respekt, vor allem in Anbetracht dessen in welch guten Bedingungen man in Österreich Handball spielt.

Sightseeing kam auf der Reise natürlich auch nicht zu kurz. Finanziert wurde die Reise von den Sportlern und Funktionären selbst, zwei Jahre lang entrichtete man den Obolus in die Reisekasse.

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Anlässlich der Begrüßungsfeierlichkeiten zum Neujahrs-Turnier von Sedaldo Lanus bei Buenos Aires kam ein weinrotes, kleines Vereinsdress aus der Sporttasche zum Vorschein, als Roberto Pacnik das Wort ergriff. Es war das einzige Andenken an seine Jugendmannschaft, das er mitnahm, als er 1966 von Argentinien nach Europa auswanderte. Nun hatte er das Leibchen symbolisch zurückgebracht - er durfte es allerdings behalten und bekam auch noch das damals aktuelle Vereinsleibchen dazu.

Es war überhaupt eine schöne Zeit in Lanus, bei den Einwohnern, die aus Österreich, dem Banat und aus Deutschland stammten. Für 800 Kinder wurde vom dortigen Schulverein damals nicht nur eine Volks- und Mittelschule gebaut, sondern auch eine Sporthalle, ein Freibad, ein Sport- und Campingplatz. Diese Infrastruktur ist auch der Grundstein dafür, eine erstklassige Handballmannschaft in Lanus zu haben.

Waren die Leobener Altherren gegen das Gastgeberteam noch siegreich, so musste die Kampfmannschaft aus der Montanstadt feststellen, dass gegen die Südamerikaner kein Kraut gewachsen war. Trotz der sportlichen Niederlage wurde der gesamte Aufenthalt der Leobener ein "Sieg auf (fast) allen Linien", gewann man doch auf der Hazienda einer Verwandtschaft von Sektionsleiter Pacnik im Fussball gegen zwei argentinische Teams und in Rio de Janeiro gegen ein brasilianisches Fussball-Team!

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Bei der Silvester-Feier in einer Bierstube der Stadt Quilmes lernten die Steirer einen ehemaligen Landsmann kennen, der Wirt stammte aus Gleinstätten. An die Getränkebestellung kann sich der damalige Kapitän Hannes Turini noch genau erinnern: "Wir haben damals zu viert je eine Flasche Bier bestellt, da diese dort üblicherweise in einer 1,5l Flasche serviert wird, brachte uns die Kellnerin nur 1 Flasche, nach unserer Aufforderung doch wirklich 4 Flaschen zu bringen staunte sie nicht schlecht, als wir diese auch jeder für sich alleine leerten.."

Auch sonst konnten die Spieler und Funktionäre der Union Leoben viele Eindrücke sammeln, da neben den sportlichen Tätigkeiten auch der touristische Aspekt nicht zu kurz kam. So besuchten sie das Rio de la Plata Delta, das mit einer Breite von 320 Kilometern und mehr als 400 Inselchen gewaltig erschien.

Wasser und alles was damit zu tun hat, beeindruckte alle Mitreisenden immer wieder. So standen alle staunend vor den Iguacu-Wasserfällen. In einen Halbkreis stürzen die Wassermassen dort über eine Breite von rund drei Kilometern 74 Meter in die Tiefe. Aber auch in Itaipu, was soviel bedeutet wie "singender Fels", sahen die Obersteirer eine Art "modernes Weltwunder" - das damals größte Stau- und Wasserkraftwerk der Welt. Der Hauptstaudamm und die seitlichen Dämme weisen bei einer Gesamtlänge von 7,8 Kilometern rund 8 Millionen Kubikmeter Beton auf. Die Staufläche ist dreimal so groß wie der Bodensee.

Nicht nur Argentinien hinterließ bleibende Eindrücke, auch die brodelnde Stadt Rio de Janeiro in Brasilien mit der kilometerlangen Copacabana und der Christusstatue faszinierte die 32 Leobener. Nach der Ankunft in Österreich musste sich die Reisegruppe erstmal an den Temperaturumschwung gewöhnen, auch daran errinert sich Hannes Turini: "Silvester feierten wir im Hawaii-Hemd bei sommerlichen Temperaturen und ein paar Tage später stiegen wir bei klirrender Kälte und Schneegestöber aus dem Flugzeug."

Alles in allem war die zweiwöchige Reise nach Südamerika ein schönes Kapitel in der Geschichte der Handballsektion der Union Leoben.

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Weitere Fotos und Anektdoten von mitreisenden Spielern und Funktionären gibt es in den kommenden Wochen.

("In die Zukunft blicken, aber die Vergangenheit nicht vergessen" - Teil 4, MP)
zukunft seinerzeit

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