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Handball Leoben

Unter dem Motto "In die Zukunft blicken, aber die Vergangenheit nicht vergessen" (Zitat Franz Rietner) berichten wir in den kommenden Wochen über Anekdoten und interessante, teils legendäre Geschichten unserer Vergangenheit. Wir sprechen mit Zeitzeugen, bringen spannende - teils in Vergessenheit geratene - Berichte und Interviews wieder ans Tageslicht. 

Teil 3 mit dem Interview des aktuellen Handball-Präsidenten der Union JURI Leoben, Ing. Roberto Pacnik, der dieses Amt bereits zum zweiten Mal ausführt, und sich sehr gerne an seine ersten Schritte im Verein und an seine Glanzzeiten zurück erinnert.

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Lieber Roberto, wann bist du mit unserem Verein erstmalig in Berührung gekommen?
Es war 1966, ich war damals 14 Jahre alt und war erst seit gut einem Monat in Leoben.

Du bist gebürtiger Argentinier?
Ja, ich machte mich damals am 16. April 1966 auf den Weg und bin erst am 3. Mai selben Jahres in Leoben angekommen.

Wie wurdest du damals auf unseren Verein aufmerksam?
Es war eher umgekehrt (er schmunzelt), ich hatte gerade meine Lehre als Autoelektriker bei der Firma Bandl in Leoben angefangen, als eines Tages Franz Rietner bei uns in der Werkstatt war und mich fragte ob es stimmt, dass ich Handball spielen würde. Das hätte er gehört. Franz Rietner wusste wirklich immer über alles bescheid.

Deine Antwort?
Ich sagte ja und ließ mir von ihm erklären wie ich zum Tivoli in Leoben komme. (Anmerkung: Dort wurde Großfeld-Handball gespielt)

Damals spielte man noch am Großfeld Handball, oder?
Richtig, teilweise war dies echt mühsam, da das Gras oft sehr hoch war. Auch am Aschenplatz in Lerchenfeld haben wir gespielt, damals jedoch am alten Tivoli.

Gibt es eine lustige Anekdote die du uns gerne erzählen möchtest?
Da gibts einige, ganze Bücher könnte ich hier füllen... (lacht), aber eine werde ich niemals vergessen. Unsere Kampfmannschaft spielte damals auswärts in Voitsberg. Karl Rollant, Alois Gruber und ich fuhren damals mit und schauten uns das Spiel hinter einem der Tore an. Wir standen wirklich direkt hinter dem Tornetz und plötzlich geschah es - ein Wurf auf unser Tor, der Goalie war bereits geschlagen, da fuhr Lois mit der Hand durch das Netz und faustete den Ball nach vor - alle haben es gesehen nur die Schiedsrichter nicht, so gab es auch kein Tor und der Tumult am Sportplatz war groß...

Eine sensationelle Geschichte die man kaum glauben mag. Springen wir mal ein paar Jahre weiter, nach Großfeld kam Kleinfeld?
Ja, das war nur ein paar Jahre später. Rund 4-6 Jahre (denkt nach) müssten es gewesen sein, dann gings auch schon in die Halle.

Aber nicht in Leoben?
Nein, noch lange nicht - unsere ersten Spiele mussten wir in Graz in der alten Union Halle austragen, damals fuhren wir also zu einem "Heimspiel" rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Wir spielten übrigens immer Freitags, der Tag hatte es in sich, zuerst arbeiten, dann noch stundenlang zum Spiel, und nach dem Match wieder nach Hause... Nach Weiz fuhren wir noch länger, da war es schon Tradition, dass wir uns während der Fahrt umziehen mussten.

Und wann folgte dann der Umzug in die Halle nach Leoben?
Noch länger nicht, die erste Halle in der Region wurde meines Wissens nach in Kapfenberg (Walfersam) gebaut. Dort trugen wir dann unsere Heimspiele aus und konnten auch das ein- oder andere mal trainieren.

Wo fanden die Trainings sonst statt?
Im alten Gymnasium in Leoben. Da haben wir mit Matten ein Tor "gebaut". (schmunzelt wieder)

Wann wurde die Halle in Leoben gebaut?
Errichtet wurde sie 1980-1982, in der Zeit spielten wir übrigens in Trofaiach und wurden dort 1981 steirischer Meister - als "Hallenloser" Verein bestimmt einzigartig. 1982 fand dann endlich der Umzug in unsere "eigene" Halle statt!

Für dich war die "Glanzzeit" aber dann schon fast am Ende, oder?
Kann man so sagen, ich begann 1983 mit der Abend-HTL und hatte neben Beruf und Lernen kaum mehr Zeit, um halbwegs professionell Handball zu spielen bzw. zu trainieren.

Kann man sagen das du damals eine schöpferische Pause eingelegt hast, bevor du auf Funktionärsebene zurück gekommen bist?
So weit will ich nicht gehen. Ich hab ja damals als Aktiver auch immer schon die Jugend trainiert und bin dem Verein und den Funktionären immer treu geblieben, auch wenn ich nicht mehr so oft in der Halle war.

Bevor wir zu deiner Zeit als Sektionsleiter kommen. Stichwort Jugend und Lignano. Was kannst du uns darüber erzählen?
Du meine Güte (lehnt sich zurück und lächelt), was für eine tolle Zeit! Ich fuhr jedes Jahr im Frühsommer, wenn die Saison aus war, mit meiner Jugendmannschaft drei Tage nach Italien. Gemeinsam mit einigen Eltern campierten wir am Strand von Lignano und machten die damals schon verfügbaren, und heute noch bei der Jugend so beliebten Spielsalons unsicher!

Ende der 80-er Jahre wurdest du dann Sektionsleiter?
Ja, es wurden damals einige Gespräche geführt und so dachte ich mir, warum eigentlich nicht, der Verein lag mir einfach am Herzen und so wurde ich damals Sektionsleiter für Handball in der Union Leoben.

Der größte Erfolg in dieser Zeit wenn du zurück blickst?
Der erste Aufstieg Mitte der 90-er aus der Landesliga in die Bundesliga (heute spusu Challenge) mit dem damaligen Trainer Hermann Hollerer!

Was war das für eine Zeit? Nimm uns ein bisschen mit in die Vergangenheit!
Damals gab es auch einige Veranstaltungen abseits vom Handball, die bereits vor meiner Zeit begonnen haben. Wir haben diese Events weitergeführt und mein Nachfolger Claus Hödl baute diese dann sogar noch weiter aus.

Welche Veranstaltungen waren das?
Es gab zum Beispiel jährlich das "Union-Kränzchen", mal im Barbarasaal, mal im Hinterberger Saal, es war immer gut besucht.

Wie sah es mit Ausflügen aus?
Ein ganz großes Thema. Die Vereins-Freundschaft mit dem TV Marbach 1861 e.V. besteht ja bereits seit den ersten Jahren. Unser Franz Rietner und Willy Mammele lernten sich im Krieg kennen und der Kontakt brach nie ab. Zurück in Leoben arbeitete Franz Rietner aktiv am Aufbau der Union Leoben, selbiges tat Willy Mammele in Marbach und so entstand dann auch die Vereins-Freundschaft.

Die noch immer gepflegt wird?
Es wurde etwas weniger, es gibt ja auch einige Personen von damals leider nicht mehr unter uns. Es ist mir und auch einigen "Jungen" im Verein (was mich besonders freut) jedoch ein großes Anliegen dies wieder aktiver zu pfelgen, damit man auch mal wieder eine gegenseitige Reise machen kann.

Wie oft seid ihr in Marbach gewesen?
Ach Gott, bestimmt über zehn Mal. Heute fährt man je nach Verkehr 5-6 Stunden, die erste Reise dauerte seinerzeit noch 24 Stunden. Die Marbacher waren auch immer wieder mal bei uns zu Gast, immer verbunden mit einem internationalen Handball Turnier!

Es gab da ja noch eine Reise, die einige Mitglieder etwas weiter weg führte, wenn ich richtig informiert bin?
Ja - in meine Heimat, wieder eine lustige Geschichte. Damals hatten wir so eine Art Vereinsbüro oberhalb vom Gösserbräu. Dahin lud ich damals in meiner Zeit als Sektionsleiter einige Mitarbeiter ein, um über einen Ausflug mit Turnierteilnahme zu reden. Alle dachten sich "Na gut, fahren wir mal wieder ein Wochenende nach Marbach", doch als ich dann sagte nein - wir fahren 14 Tage nach Argentinien und spielen dort ein Turnier, blieb der Mund weit offen - schade, dass ich diese Reaktion damals nicht fotografiert habe.

Wie lief das ab? Da gibts ja auch einiges zu planen? Wieviele Personen nahmen teil?
Einiges ist gut gesagt, aber ich hatte noch gute Kontakte, sodass wir in meiner ehemaligen Schule tatsächlich ein Turnier spielen konnten. Wir waren knapp über 30 Personen. Nach einer Woche Buenos Aires ging es für ein paar Tage nach Iguazu, zu den bekannten Wasserfällen und zum Abschluss an die Copacabana. Aber mehr erzähle ich nicht, da sollten wir mal eine eigene Rückschau machen, was hälst du davon?

Das ist eine sehr gute Idee - das machen wir auf jeden Fall!

Zurück zur aktuellen Situation, du bist ja nun zum zweiten Mal Präsident, was hat sich zu damals geändert?
Zunächst möchte ich nochmals betonen, dass ich das Amt dieses Mal interimsmäßig ausführe, da wir vor einiger Zeit personelle Wechsel im Vorstand hatten, und ich dem Verein nach wie vor eng verbunden bin. Ich möchte helfen, dass wir wieder in ruhige Fahrwasser kommen. Es gibt sehr engagierte, jüngere Mitarbeiter die anpacken wollen und denen helfe ich gerne dabei. Mein größtes Anliegen ist die Zusammenarbeit, der Zusammenhalt im Verein und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Vom jüngsten Nachwuchsspieler bis zum Routinier der Kampfmannschaft, inklusive aller Eltern, Mitarbeiter, Fans, Gönner und Sponsoren, unseren Hallenwarten und Mitarbeitern in unserer Sporthalle in Donawitz und auch der neuen Innenstadthalle - nur gemeinsam schaffen wir das und auch wenn es im Moment aufgrund der Corona Krise sehr schwer fällt - wir halten durch und ich freue mich jetzt schon auf die ersten "echten" Gespräche bei einem guten Glas Gösser mit den Leobener Handballfreunden in unserer Kantine!

Danke für das Interview!

Das Interview führte Manuel Pirker. Der Inhalt der nächsten Ausgabe steht noch nicht fest, lasst euch überraschen.

("In die Zukunft blicken, aber die Vergangenheit nicht vergessen" - Teil 3, MP)
zukunft seinerzeit

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